DEMOKRATIEdialog international: Fußball, Demokratie und eine globale Perspektive
Nach dem Auftakt in Leipzig im November ging der DEMOKRATIEdialog am 12. Dezember 2025 in die zweite Runde – diesmal an einem besonderen Ort und mit einer besonderen Perspektive. An der Sportschule Ruit bei Stuttgart, wo sonst über Taktik, Training und Talentförderung gesprochen wird, stand an diesem Tag die Frage im Mittelpunkt, wie demokratisches Miteinander gelingen kann – lokal wie global. Dieser DEMOKRATIEdialog war:
Anlass war eine internationale Train-the-Trainer-Woche, die vom 5. bis 13. Dezember stattfand. Expert*innen aus über 20 Organisationen weltweit waren zu Gast, um am Beispiel von KICKFAIR zu lernen, wie Straßenfußball als Zugang und Bildungsraum genutzt werden kann, um Demokratielernen zu ermöglichen und zu stärken. Diese internationale Vielfalt floss direkt in den DEMOKRATIEdialog ein: bei und mit KICKFAIR engagierte Jugendliche trafen auf engagierte Erwachsene aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen und politischen Kontexten.




Wie schon in Leipzig nahmen ausgewählte Demokratiebegriffe aus dem StraßenfußballDEMOKRATIEtoolkit eine zentrale Rolle ein und standen im Zentrum einzelner Dialogrunden, zu denen junge Menschen die Teilnehmenden einluden. In Stuttgart standen dabei Fairplay, Meinungsfreiheit, Beteiligung, Konflikte und Dialog im Fokus. Schnell wurde deutlich: Diese Begriffe sind universell – ihre Bedeutung und ihre Umsetzung aber höchst unterschiedlich.

Im Austausch über den Begriff „Konflikt“ zeigte sich beispielsweise, wie unterschiedlich Erfahrungen und Bedeutungen ausfallen können. Während Jugendliche in Deutschland Konflikte häufig mit zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen verbinden, berichteten internationale Teilnehmende von Konflikten, die durch politische Instabilität, strukturelle Gewalt oder sogar kriegerische Auseinandersetzungen geprägt sind. Diese vielfältigen Perspektiven machten deutlich, wie wichtig es ist, Demokratie und die dazugehörigen Werte stets kontextsensibel zu betrachten – besonders in einer heterogenen Gesellschaft wie der deutschen, in der junge Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten und Demokratieerfahrungen zusammenkommen.
Auch am Beispiel der „Meinungsfreiheit“ wurde deutlich, wie stark sich demokratische Realitäten weltweit unterscheiden. Während in Deutschland immer wieder auf Meinungsfreiheit verwiesen wird – teils sogar, um diskriminierende oder demokratiefeindliche Positionen zu legitimieren –, schilderten internationale Teilnehmende Erfahrungen, in denen kritische Stimmen gar nicht erst gehört oder sogar aktiv unterdrückt werden. Die Diskussion machte sichtbar, dass Meinungsfreiheit international kein einheitlich geschütztes Gut ist: Zwischen missbräuchlicher Nutzung und staatlicher Repression liegen vielfältige Erfahrungswelten, die den Jugendlichen neue Perspektiven eröffneten.

Für die beteiligten Jugendlichen war dieser globale Blick besonders prägend. Er machte deutlich, wie wertvoll die eigenen demokratischen Handlungsspielräume in Deutschland sind – und wie verletzlich demokratische Prinzipien zugleich bleiben. Diese Erkenntnisse nehmen sie mit in ihr Engagement an den KICKFAIR Standorten bundesweit. Sie können so zukünftige Dialogformate kontextsensibler gestalten und demokratische Lernprozesse auf lokaler Ebene gezielt vertiefen. Dort wirken sie als wichtige Vorbilder, die demokratische Werte nicht nur vermitteln, sondern im Alltag leben und bewusst schützen.
„Wir Erwachsene denken oft zu wissen, wie es geht und was richtig ist. Für mich war es ungemein wertvoll, am DEMOKRATIEdialog teilzunehmen und mich auf die Erklärungen und den Methodeneinsatz der Jüngeren einzulassen. Das hat mir einen ganz neuen Blick ermöglicht, für den ich sehr dankbar bin.“
Fernando, berät Unternehmen und die Regierung in Paraguay




„Angesichts globaler Krisen und fortlaufend negativer Schlagzeilen ist es sehr inspirierend, junge Menschen als Motoren für Demokratie zu erleben. Das stimmt mich positiv und spornt mich an, auch im ifa noch mehr positive Beispiele sichtbar zu machen.“
Renata, Institut für Auslandsbeziehungen


