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Letitia

Ich glaube, es würde in vielen Lebensbereichen helfen, wenn nicht immer alles so laufen würde, wie die älteren Generationen es vorgeben, nur weil es ihnen so beigebracht worden ist und sie es schon immer so gemacht haben. Es sind nun mal nicht alle Menschen gleich, jeder hat eine andere, eigene Lebensgeschichte, macht andere Erfahrungen. Und wenn man auf einem anderen Weg zum Ziel kommt, macht es vielleicht auch den Jugendlichen Spaß. Ich bin überzeugt: Auf diese einfache Weise lassen sich Menschen und Generationen miteinander verbinden.

Bei der Frage, ob Demokratie in einer vielfältigen Gesellschaft funktionieren kann, ist aus meiner Sicht entscheidend, dass jede einzelne Person gehört, dass ihr auf Augenhöhe begegnet wird. Gerechtigkeit hat viel mit Gefühlen zu tun. Ich spüre es, ob ich gerecht oder ungerecht behandelt werde. Und manchmal will mich der oder die andere gar nicht ungerecht behandeln, und trotzdem fühlt es sich so an für mich. Und zwar auch deshalb, weil man meine Gefühle, meine Meinung, meine Erfahrungen nicht ernst nimmt.

Das ist das Entscheidende für mich an KICKFAIR: Ich habe noch nie erlebt, dass jemand sagt, so kannst du nicht sein, oder so geht das nicht. Im Gegenteil, ich erlebe mich bei KICKFAIR als aktiven Menschen, der eine Menge bewegen kann und vor allem: darf. Und dafür Anerkennung erhält. Daraus ziehe ich so viel für meine Persönlichkeit.

KICKFAIR verändert ganz schön viel. Das bemerke ich nicht nur an mir, ich kann es auch in der Schule beobachten. Nachdem dort KICKFAIR gestartet hatte, veränderten sich die Lehrerinnen und Lehrer – und unser Blick auf sie. Wir spürten plötzlich, dass sie nicht nur Autoritätspersonen sind, die Regeln aufstellen und durchsetzen, sondern Menschen. Der Umgang zwischen ihnen und uns wurde offener, wir lernten sie persönlicher kennen, sie haben im Unterricht besser auf uns geachtet. Meine Lehrerin würde ich als den guten Geist bezeichnen, die die Prinzipien von KICKFAIR an der ganzen Schule verbreitet.

Auch die Jugendlichen, die bei KICKFAIR mitmachen, lernen, sich gegenüber anderen besser zu verhalten, offener zu sein, Neues anzunehmen. Wir haben in den vergangenen Jahren eine Menge Workshops abgehalten, sogar mit internationaler Beteiligung, zum Beispiel mit Teilnehmenden aus Brasilien, Paraguay und Ruanda. Dabei haben wir erlebt, dass sie Straßenfußball zum Teil ganz anders spielen als wir, oder eine andere Methode haben.

Es hat super funktioniert, wie sie es machen, also haben wir uns einiges abgeschaut und übernommen. Sich so miteinander zu beschäftigen, ohne Vorurteile gegenüber anderen Wegen und Herangehensweisen zu sein, ist ein Lernprozess, den alle durchlaufen müssen. Es gibt keine einfache Abkürzung. Meine Erfahrung ist aber, wenn man will, können alle miteinander klarkommen. Und KICKFAIR liefert jede Menge Rüstzeug dafür, schafft die Voraussetzungen, um sich gegenseitig zuzuhören und ernst zu nehmen, um Vielfalt für alle zu einer Bereicherung zu machen. Und ich kann sagen: Für mich bedeutet Vielfalt wirklich alles.

„So wie ich es erlebe, schärft KICKFAIR im Prinzip das Verständnis für die Menschenrechte. Denn Meinungsfreiheit, Gerechtigkeit und die Beteiligung aller Menschen an Entscheidungsprozessen, egal wo sie herkommen, wie sie aussehen oder welche Religion sie haben, sind grundlegende Merkmale der Menschenrechte. Das ist das, was wir bei KICKFAIR leben: Jede Person erhält eine Stimme und wird dadurch Teil von etwas Großem.“

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