Straßenfußball und Globales Lernen –
das neue Video zum globalen Lernfeld
Wie hängen mein Alltag in Deutschland und das Leben junger Menschen in Brasilien oder Kolumbien zusammen? Was hat ein Straßenfußballspiel mit globaler Gerechtigkeit zu tun? Unser neues Video zeigt, wie genau das zusammengehört.
Beim bundesweiten Festival in Stuttgart haben wir im letzten Jahr gemeinsam mit Dulciana aus Brasilien, Lolo, Selin und vielen weiteren jungen Menschen und pädagogischen Fachkräften aus der KICKFAIR Community über ein zentrales Thema gesprochen: Globales Lernen durch Straßenfußball.

Ausgangspunkt war auch eine Begegnung, die bis heute nachwirkt.
Vor ziemlich genau einem Jahr landete Dulciana de Melo Coelho am Stuttgarter Flughafen. Es war winterlich kalt. So kalt, dass ihre für die brasilianischen Temperaturen wärmste Kleidung nicht reichte. Eine neue Winterjacke musste her.
Mit im Gepäck hatte sie dafür Geschichten aus São Luís im Norden Brasiliens. Von ihrer Leidenschaft für den traditionellen Tanz Bumba meu Boi und ihre afro-brasilianischen Religion Tambor de Mina. Von Kindern, die viele hundert Kilometer von einer Schule entfernt leben. Von ihrer Organisation Formação. Und davon, wie Straßenfußball dort Zugänge zu Bildung eröffnet.
„Auch wenn wir nicht dieselbe Sprache sprechen und unsere Kulturen sehr unterschiedlich sind, haben wir alle etwas gemeinsam: die Leidenschaft für den Straßenfußball.“
Dulciana, Formação, Brasilien
In den drei Monaten in Deutschland gab Dulciana Workshops an Partnerschulen im ganzen Bundesgebiet. Vor allem aber hinterließ sie Spuren. Was hier passiert ist, war mehr als ein Austausch. Hier geht es nicht um „ferne Länder“. Hier geht es um Verbindungen – und darum, dass engagierte junge Menschen weltweit zum Vorbild und zur Motivation für das eigene Engagement werden.
„Kinder in Maranhão konnten nicht zur Schule gehen, weil es für ihre Familien zu teuer war. Dulciana setzt sich mit ihrer Organisation dafür ein, ihnen Chancen zu geben. Das motiviert mich. Sie ist für mich ein großes Vorbild.“
Merna, Jugend-Orga Team, Kiel

Das neue Video zeigt, wie aus einem Spiel ein globales Lernfeld wird. Es knüpft damit an eine Videoreihe an, die Sichtweisen der Protagonist*innen an Schule aufgreift und dadurch erläutert, wie unsere Lernfelder wirken: Folge 1: Warum Straßenfußball?, Folge 2: Peer to Peer und Jugend-Orga, Folge 3: Wie sich Perspektiven verändern, Folge 4: Wie sich Schule verändert.
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Mehr InformationenGlobales Lernen beginnt bei uns mit Fragen, die junge Menschen, die im Straßenfußball aktiv sind und sich engagieren, unmittelbar beschäftigen:
Wird überall nach denselben Regeln Straßenfußball gespielt? Warum findet der Straßenfußball in Brasilien außerhalb von Schulen statt und warum gehen dort nicht alle Kinder zur Schule? Wieso ist es in Indien so besonders, dass auch Mädchen Straßenfußball spielen und wieso haben sie nicht dieselben Möglichkeiten Sport zu machen oder zur Schule zu gehen, wie Jungs?
Diese Fragen stellen sich Jugendliche in Kiel oder Bochum genauso wie in São Luís oder Bogotá.
Über Dulciana. Über Jugend-Orga Teams in Deutschland. Über junge Menschen auf anderen Kontinenten, die – genau wie hier – Regeln aushandeln, Verantwortung übernehmen, Konflikte lösen.
Plötzlich wird klar: Die Herausforderungen unterscheiden sich im Kontext, aber nicht im Kern.
„Überall auf der Welt sind junge Menschen, die genau dasselbe machen wie wir. Das zu wissen bringt den nötigen Schwung rein, um etwas zu verändern. Für junge Menschen auf der ganzen Welt.“
Lolo, Youth Leader, Leipzig
Unsere Lernmaterialien knüpfen genau dort an. Sie greifen die Geschichten realer junger Menschen weltweit auf und machen sie zum Ausgangspunkt für Diskussion, Reflexion und eigenes Handeln. Das funktioniert im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof und auf dem Spielfeld gleichermaßen.
Straßenfußball wird so zur Brücke. Es bedeutet zu verstehen: Wir sind miteinander verbunden. Unser Handeln hier hat Wirkung. Und wir können gemeinsam Verantwortung übernehmen.
Genau darum geht es: Einen Zugang, der globale Themen verständlich, persönlich und handlungsorientiert macht – und das alles beginnt mit einem gemeinsamen Spiel.

Es ist das Jahr 1994. In den USA findet die Weltmeisterschaft statt. Andrés Escobar aus Medellín ist Kapitän der kolumbianischen Nationalmannschaft und führt sein Team ins Turnier. Der Druck auf die Mannschaft ist enorm hoch. Der Kampf gegen den Drogenschmuggel und das organisierte Verbrechen hatte in Kolumbien einen blutigen Höhepunkt erreicht. Über 5.000 Jugendliche wurden 1994 in den Straßen Medellíns ermordet. Alle Hoffnungen und Sehnsüchte der Bevölkerung liegen auf der Nationalmannschaft.
Gleich im ersten Spiel verliert Kolumbien gegen Rumänien. Nach dem Spiel gibt es Morddrohungen gegen die Spieler. Der Sohn eines kolumbianischen Verteidigers wird entführt. Am 22. Juni 1994 spielt Kolumbien dann gegen die USA. 94.000 Zuschauer sind im Stadion. Kolumbien muss das Spiel auf jeden Fall gewinnen, um weiterzukommen. In der 35. Minute passiert es: Andrés Escobar fälscht einen gegnerischen Pass ins eigene Tor ab. Kolumbien verliert das Spiel mit 2:1 und scheidet aus der WM aus.
Es ist ein Eigentor mit tragischen Folgen. Am 2. Juli 1994 wird Andrés Escobar in Kolumbien ermordet – wegen seines Eigentors. Sechs Schüsse beenden am frühen Morgen sein Leben auf dem Parkplatz vor einer Bar. „Tooor“ soll der unbekannte Schütze bei jedem Schuss gerufen haben.

1996, zwei Jahre nach dem Mord an Andrés Escobar, startet in Medellín ein erstes Straßenfußball-Projekt. „Fußball für den Frieden“ ist das Motto. Die Leidenschaft, die der Fußball entfesseln kann, soll hier in friedliche Bahnen gelenkt werden. Das Projekt lädt Straßenbanden aus Medellín ein, gemeinsam Fußball zu spielen.
Die Regeln, die gelten sollen, erregen jedoch einiges an Aufsehen. Es sollen immer zwei Frauen mitspielen. Eine von ihnen muss das erste Tor schießen. Außerdem zählen nicht nur die Tore, sondern auch faires Spiel. Diese Regeln sind für die Bandenchefs zunächst undenkbar. Dennoch kommt es zu einem ersten Treffen. Fast kommt es wieder zu Gewalt, doch am Ende geht zum Glück alles friedlich aus.
Immer mehr Viertel von Medellín schließen sich dem Projekt an. Nach einem Jahr sind es 1200 Teams und 12.000 Spieler*innen, die mitspielen. Das Projekt in Medellín wird zum Vorbild für viele Projekte weltweit – auch für KICKFAIR.

